Sapere aude

Unsere heimischen Wildkräuter haben den großen Vorteil, daß sie im Gegensatz zu unserem Gemüse und Obst nicht in Monokulturen gezüchtet werden, ohne Kunstdünger und Spritzmittel auskommen und artgerecht wachsen. Sie besitzen, gezielt angewendet, als Gemüse oder als "grüner Saft" immense Heilkräfte und vermitteln Vitalität und Wohlbefinden. 

 

 

 

 

Schöllkraut

(Chelidonium majus)

Gelbe Blüten, Schöllkraut wächst das ganze Jahr über und blüht von Mai bis Oktober.

 

Inhaltsstoffe: 

Alkaloide, Harz, Flavone, Bitterstoffe, ätherisches Öl, Vitamine, Mineralstoffe

Der Toxikologe Prof. Louis Lewin schreibt, daß der im frischen Schöllkrautsaft enthaltene Harz, der an der Luft und beim Trocknen seine Wirkung verliert, das eigentlich (leicht) Giftige an der Pflanze sei. Die Alkalibasen wie Chelidonin wären in so geringen Mengen enthalten, daß sie keine Gefahr für den Menschen darstellen würden.


Indikationen:

Leberstörungen, Arthritis, Gicht, Asthma, Krebs. Bei allen krampfartigen Beschwerden. Das Schöllkraut wirkt schmerzlindernd und entkrampfend. Es fördert den Gallefluß.


Anwendung:

Apotheker Pahlow empfiehlt 2 Teelöffel Schöllkraut auf 1/4 Liter heißem Wasser, kurmäßig angewendet. Maria Treben empfiehlt ein Teelöffel (frisches Kraut) auf 1/4 Liter Wasser. Prof. J.P. Schadé empfiehlt 1-2 Eßlöffel frisches Kraut oder Wurzel mit 1/2 Liter kochendem Wasser übergießen, Tagesdosis 3-4 Tassen pro Tag für eine Kur von vier bis fünf Wochen. 

Weiter Anwendungen als Tinktur oder homöopathisch. 

Hugo Schulz, Professor der Pharmakologie, erwähnte, daß das Schöllkraut in der Schule Rademachers in hohem Ansehen stand, aber heute so ganz aus dem Arzneischatze verschwunden sei (das war 1956). Er meint, die Kunst beim Schöllkraut bestehe im richtigen Dosieren. Es ist ein vorzügliches Lebermittel. 

Somit ist anzuraten, das Schöllkraut nur bei strenger Indikation zu verwenden. Es ist kein Wildkraut, das man in Massen konsumieren kann wie Giersch oder Brennessel. 


Quelle:

  1. Gifte und Vergiftungen - Prof. Louis Lewin
  2. Selbstmedikation mit natürlichen Heilmitteln - Prof. Schadé
  3. Hugo Schulz - Vorlesungen über Wirkung und Anwendung der deutschen Arzneipflanzen
  4. Maria Treben - Gesundheit aus der Apotheke Gottes

 

 

 


Wald-Sauerklee

(Oxalis acetosella)

Blütezeit April bis Mai.

Blüht weiß/blaßrosa, mit gelbem Fleck in der Mitte 


Inhaltsstoffe: 

Oxalsalze, wenig freie Oxalsäure, Gesamtsäuregehalt 0,3 - 1,25%. Nachts nimmt der Säuregehalt ab und steigt bei Tagesanbruch wieder an. Vitamine (bes. Vitamin C), Mineralstoffe.

Indikationen:

Magenleiden, Sodbrennen, Gelbsucht, zur Anregung der Funktionen von Leber und Galle. Zur Blutreinigung. Wundbehandlung. Durstlöscher. Früher bei Skorbut. 

Anwendung "Bei Neigung zu Steinbildung" schreiben die Autoren von Essbare Wildpflanzen. Das scheint ein Widerspruch zu sein, da allerorten vor der Oxalsäure gewarnt wird. Oxalsäure bilde mit Kalzium ein Salz, welches schwer wasserlöslich sei und bei bestimmter Konzentration ausfällt, d. h. kristallisiert und damit Steine in den Nieren bilden könne. 

Die Salzsäure im Magen kann jedoch das Kalziumoxalat auflösen, sofern genug Magensäure vorhanden ist, dasselbe trifft für die Gallensäuren zu. Der Kalziumgehalt von Sauerklee beträgt knapp etwa 400 mg/100 g. Kalzium neutralisiert Säuren. Die Oxalsäure ist zudem ein wichtiger Baustein im Citratzyklus, der "Drehscheibe" des Stoffwechsels. 

 

Paul B. Müller schreibt dazu: 

"Es scheint daher sehr wahrscheinlich zu sein, dass die Resorption von ganz individuellen Bedingungen (Acidität, Füllung des Magens, Art der Speisen, aufgenommene Ca-Menge) reguliert wird, sodass eine Verallgemeinerung des Verhaltens einer Person in Bezug auf oxalathaltige Nahrung zum vornherein nicht möglich ist."

 

Geschmack: 

Erfrischend, zitrusartig säuerlich. 

 

Anwendung: 

Die ganze Pflanze ist eßbar. Als Zugabe zu Salaten, Suppen, Gemüse. Äußerlich als Wundkraut. 

 

Quellen:

  1. Essbare Wildpflanzen (Dipl. Ingenieure Fleischhauer, Guthmann, Spiegelberger, 2009);
  2. Zur Kenntnis der mikroanalytischen Bestimmung der Oxalsäure in biologischem Material (Paul B. Müller, Dipl. Ingenieur-Chemiker, Technische Hochschule Zürich, 1937)
  3. Lehrbuch der biologischen Heilmittel, Madaus, 1938